Mitteilung 5 |
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Elisabeth Broel und Gernot Cepl nehmen mit ihren Objekten die Schrift nicht wortwörtlich, sondern als ein grafisches Gebilde, das physisch auf einem Träger sitzt. Nicht als ein Einzelzeichen mit seinen kalligrafischen Qualitäten oder assoziativen Bezügen, sondern die Schrift wird aufgefasst in ihrer Eigenschaft als Zeichengefüge, als Text. |
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Der Text als grafischer Körper, wobei die Spalten-, Absatzabstände und die typografischen Hervorhebungen in dem fließenden Liniennetz leichte Akzente setzen. Der Text als gedruckter Schriftblock auf Papier, als haptischer Gegenstand; er wird zerknüllt, verschnürt, übermalt, auf Leinwand fixiert. Der Text als symbolischer Gegenstand und dessen Verweischarakter an sich, dass er mehr sei. | |||||||||||||
Die Herald Tribune von Elisabeth Broel berichtet nicht von Tagesaktualitäten, sondern verleitet zum Erlebnis changierender Farbigkeit. Zeitungsblätter werden zerknüllt, verwandelt zu handgeformten Papierkugeln, diese werden auf die Fläche gesetzt, gleichmäßig, mit einer minimalistischen Präzision. Farbigkeit, zurückgenommen und ganzheitlich, wird changiert durch das Zusammenspiel zwischen der Regelmäßigkeit des gedruckten Schriftflusses und dem handwerklichen Modellieren und Montieren des Papiers, erhöht mal durch Lasurschichten, mal durch handschriftliche Akrobatik. Der Bildraum weitet sich aus über Bildgrenzen hinweg und setzt sich auf das nächste Objekt fort. Die Arbeit Kryptisches von dem Künstlerduo besteht aus acht gleichformatigen Papierreliefs im einheitlichen Bleiton, die an der Wand hängen, und springt weiter auf Schachtelobjekte, die Serie Kryptisches in 20 Unikaten, die anlässlich der Ausstellung als Sonderausgabe der acht Jahre alten Edition Kunstfaser erscheint. Die Japanischen Schriftbilder bestehen selbstverständlich aus japanischem Stoff, der in jeder Sprache genauso wenig lesbar wie unlesbar ist. Fernab von der gängigen Lese-art gewinnt der Text eine Bedeutung, die ihm seinen mysteriösen Charakter zurückgibt. Treffend benannten Broel und Cepl ihre Tübinger Ausstellung: Vom sichtbar Unsichtbaren. |
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