Mitteilung 13

Als die 6. Ausstellung Im Rahmen des Rot kommen die beiden Teile des Danse macabre von Olivier Khonig (lebt in Paris) nach Dresden. Hier erstreckt sich der Tanzflur, sozusagen, über die ganze Stadt, von der Dresdner Neustadt bis in die Altstadt: Teil 1 hängt in der Galerie am Alaunplatz und Teil 2 in dem Institut français unweit von der Kreuzkirche, simultan - gehört doch zum Wesen des seit dem Mittelalter tradierten danse macabre die Vorstellung, der Tod sei allgegenwärtig und überall.

Khonig scheut sich nicht vor der Tradition, er setzt sich mit ihr ironisch und karikierend auseinander. Er greift alte Themen sowie populäre Darstellungsmethoden bewusst auf. Seine Malerei, figürlich, wie sie ist, vergleicht er unverblümt mit Design für Kissenbezüge in bürgerlichen Wohnstuben und setzt sie ein mit der Absicht, „kraftvolle Emotionen beim breiten Publikum zu erwecken“. Dazu tragen die Einschränkung der Farbpalette (auf kräftiges Rot, Blau und Schwarz) sowie die monumentale bzw. serienmäßige Ausführung des Motivs bei. Auch die Figuren werden auf das Wesentliche reduziert, damit die Botschaft unvermittelt ausgedrückt wird: es sind Strichmännlein, wenn nicht gar Skelette. Im Zentrum seiner Arbeit bleibt in der Regel der Mensch.

Der intimen Räumlichkeit der Galerie gerecht, installiert hier Khonig den gesamten Raum füllende Gerippen- und Körperteile männlichen und weiblichen Geschlechts und betont den physischen Aspekt sexueller Verführung. Das Durcheinander der Körperteile stellt die Verwirrung dar, welche das „allertiefste Gefühl“, das die Liebe ist, entstehen lässt. Das Skelett, ein oft wiederkehrendes Motiv in seiner Arbeit, nimmt umfassendere Bedeutung an als in einem klassischen Totentanz. Fest, unbeweglich und altersbeständig vermögen Knochen die Menschlichkeit, die Liebe, im Kampf gegen die Vergänglichkeit zu retten und den Tod zu überwinden.

Im Institut français unterbreitet der Künstler sein Epos, La traverse du desert, in einem 15 Meter langen Fries. Er begleitet irrende und irregeführte Wanderer durch eine Wüste und beschreibt ihre Kämpfe untereinander: Kämpfe um Frauen, damit das Fortbestehen eigenen Spezies sichergestellt wird, oder aber darum, den anderen eigene Meinungen und Glauben aufzuzwingen, damit das Weiterleben eigener Gedanken gewährleistet wird. Es folgen Mord und Ausrottung einiger Gruppen. Der Künstler zitiert in dieser gerade fertiggestellten Arbeit das althergebrachte Motiv, um daran zu erinnern, dass „jeder diese Reise durch die Wüste allein mit seinem eigenen Gewissen machen muss“.


Lise Ott: Olivier Khonig: Comme un nouvel Icare, -in: Midi Libre, Nov. 1988; Gérard Mayen: Les provocations tranquilles d’Olivier Khonig, -in: ebd., Okt. 1989; Roselyne Genty: L’expressionisme du trait. Olivier Khonig à l’arpac, -in: ebd., Sept. 1990; [N.N.]: Olivier Khonig recrée l’Apocalypse, -in: ebd., Juni 1990; Marie Van Hamme: Olivier Khonig. Le voleur de feu, -in: Calades, April 1990

Niteen Gupte, Dresden, 01.05.2003

Im Rahmen des Rot VI

Olivier Khonig: La danse macabre 1-2. Malerei, installiert

14.05.2003-05.06.2003
tägl. 24 Std., nähere Betrachtung n. V.


In Zusammenarbeit mit Institut français de Dresde

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